Im Jahr 2004 isolierte ein Forscherteam um Professor Willem de Vos an der Universität Wageningen in den Niederlanden ein bis dahin unbekanntes Bakterium aus menschlichen Stuhlproben. Sie nannten es Akkermansia muciniphila - benannt nach dem deutschen Mikrobiologen Antoon Akkermans und abgeleitet vom lateinischen "mucin" (Schleim) und "philos" (liebend). Was als akademische Entdeckung begann, entwickelte sich zur vielleicht aufregendsten Geschichte der Mikrobiomforschung.
- Akkermansia muciniphila macht bei gesunden Menschen etwa 1-5% des Darmmikrobioms aus
- Das Bakterium ernährt sich von der Schleimschicht des Darms und stärkt dadurch paradoxerweise die Darmbarriere
- Niedrige Akkermansia-Werte korrelieren mit Übergewicht, Diabetes und metabolischem Syndrom
- Die pasteurisierte (abgetötete) Form zeigte in Studien bessere Ergebnisse als lebende Bakterien
- Bryan Johnson und andere Longevity-Enthusiasten schwören auf Akkermansia-Supplements
- In der EU ist nur die pasteurisierte Form als Novel Food zugelassen
- Präbiotische Förderung durch Cranberry, Polyphenole und Ballaststoffe ist möglich
Was macht Akkermansia so besonders?
Akkermansia muciniphila gehört zu einer seltenen Gruppe von Bakterien, die sich von Mucinen ernähren - den Schleimstoffen, die unsere Darmwand auskleiden. Das klingt zunächst paradox: Wie kann ein Bakterium, das die Schleimschicht "frisst", gut für den Darm sein?
Die Antwort liegt in einem faszinierenden Mechanismus: Wenn Akkermansia Mucine abbaut, signalisiert es den Darmzellen, neue Schleimschicht zu produzieren. Das Ergebnis ist eine kontinuierliche Erneuerung der Darmbarriere. Gleichzeitig produziert das Bakterium kurzkettige Fettsäuren wie Propionat und Acetat, die als Energiequelle für Darmzellen dienen.
| Eigenschaft | Akkermansia muciniphila | Bedeutung |
|---|---|---|
| Anteil im gesunden Darm | 1-5% | Einer der häufigsten Einzelstämme |
| Ernährung | Mucine (Schleimproteine) | Fördert Schleimhauterneuerung |
| Bei Übergewicht | Oft stark reduziert | Möglicher Marker für metabolische Gesundheit |
| Optimale Form | Pasteurisiert | Bessere Ergebnisse als lebend |
Die Forschungslage
Eine der wichtigsten Studien erschien 2019 in Nature Medicine. Das Team um Professor Patrice Cani untersuchte übergewichtige Probanden und fand Bemerkenswertes: Die Gruppe, die pasteurisiertes Akkermansia erhielt, zeigte nach drei Monaten signifikante Verbesserungen bei Insulinsensitivität, Cholesterinwerten und Körpergewicht. Die Teilnehmer verloren durchschnittlich 2,3 kg mehr als die Placebogruppe.
Bryan Johnson, der Tech-Millionär, der mit seinem "Blueprint"-Protokoll das Altern umkehren will, nimmt täglich Akkermansia-Kapseln. Er ist damit Teil einer wachsenden Longevity-Community, die auf dieses Bakterium setzt.
Wie du Akkermansia natürlich fördern kannst
Diese präbiotischen Ansätze zeigen in Studien positive Effekte: Cranberry-Extrakt steigerte in einer Studie die Akkermansia-Population signifikant. Polyphenole aus Beeren, grünem Tee und Rotwein fördern das Wachstum. Auch Omega-3-Fettsäuren aus fettem Fisch zeigen positive Effekte. Interessanterweise kann auch Fasten die Akkermansia-Population erhöhen.
Die Forschung zu Akkermansia ist vielversprechend, aber noch jung. Die meisten Studien hatten relativ kleine Teilnehmerzahlen und kurze Laufzeiten. Langzeitdaten fehlen weitgehend.
Die Begeisterung für Akkermansia in der Longevity-Szene sollte mit Vorsicht betrachtet werden. Korrelation bedeutet nicht Kausalität: Dass schlanke Menschen mehr Akkermansia haben, heißt nicht automatisch, dass Akkermansia-Supplements schlank machen. Es könnte auch sein, dass eine gesunde Ernährung beides gleichzeitig bewirkt.
Fazit: Akkermansia muciniphila ist ein faszinierendes Bakterium mit vielversprechenden Forschungsergebnissen für metabolische Gesundheit und Longevity. Während Supplements eine Option sind, lässt sich das Bakterium auch durch eine ballaststoffreiche, polyphenolhaltige Ernährung fördern.