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Urolithin A - Der Mitochondrien-Booster aus dem Granatapfel

9. Januar 2026

Professor Johan Auwerx von der ETH Lausanne machte eine überraschende Entdeckung: Nicht der Granatapfel selbst, sondern ein Stoffwechselprodukt, das erst im Darm entsteht, könnte der Schlüssel zur Zellverj üngung sein. Urolithin A - so der Name dieser Substanz - aktiviert einen zellularen Reinigungsmechanismus, der defekte Mitochondrien beseitigt und Platz für neue schafft. Das Problem: Nur etwa 40% der Menschen können Urolithin A überhaupt selbst produzieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Urolithin A ist ein Postbiotikum, das aus Ellagitanninen (Granatapfel, Beeren, Walnüsse) im Darm gebildet wird
  • Es aktiviert Mitophagie - den zellularen Recycling-Prozess für defekte Mitochondrien
  • Nur etwa 40% der Menschen können Urolithin A natürlich produzieren
  • Klinische Studien zeigen +12% Muskelkraft nach vier Monaten Supplementierung
  • FDA-Status GRAS (Generally Recognized As Safe) für das Produkt Mitopure
  • Vielversprechende Daten auch für Gelenkgesundheit und Immunfunktion

Das Mitochondrien-Problem des Alterns

Mitochondrien sind die Kraftwerke unserer Zellen - sie produzieren das ATP, das praktisch alle zellularen Prozesse antreibt. Mit dem Alter häufen sich jedoch defekte Mitochondrien an. Die Mitophagie - der Prozess, der diese beschädigten Organellen abbaut und recycelt - wird weniger effizient. Das Ergebnis: Die Energieproduktion sinkt, und altersbedingte Erkrankungen nehmen zu.

Ab dem 30. Lebensjahr verlieren wir etwa 10% unserer Mitochondrienfunktion pro Dekade. Besonders betroffen sind Gewebe mit hohem Energiebedarf - Muskeln, Herz, Gehirn. Die Wiederherstellung einer effizienten Mitophagie könnte ein Schlüssel zur Verlängerung der Gesundheitsspanne sein.

Wie wirkt Urolithin A?

Urolithin A aktiviert den PINK1/Parkin-Signalweg, einen zentralen Mechanismus der mitochondrialen Qualitätskontrolle. Beschädigte Mitochondrien werden markiert, in Autophagosomen verpackt und abgebaut. Gleichzeitig stimuliert die Zelle die Produktion neuer, funktionsfähiger Mitochondrien - ein Prozess namens mitochondriale Biogenese.

Prozess Wirkung von Urolithin A Klinische Relevanz
Mitophagie PINK1/Parkin-Aktivierung, Autophagosom-Bildung Entfernung defekter Mitochondrien
Biogenese Stimulation neuer Mitochondrien Erneuerung der Zellkraftwerke
Entzündung Reduktion proinflammatorischer Zytokine Weniger chronische Entzündung
Energieproduktion Verbesserte Mitochondrien-Atmung Mehr ATP, bessere Muskelfunktion
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Das Produzenten-Problem

Urolithin A entsteht nicht direkt aus der Nahrung. Wenn wir Ellagitannine - Polyphenole aus Granatapfel, Himbeeren, Erdbeeren oder Walnüssen - essen, müssen bestimmte Darmbakterien diese erst in Urolithin A umwandeln. Das Problem: Nur etwa 40% der Menschen besitzen die richtigen Bakterien für diese Umwandlung. Genetik, Alter, Ernährung und der individuelle Zustand des Mikrobioms bestimmen, ob und wie viel Urolithin A produziert wird.

Gut zu wissen:
Selbst bei "Produzenten" variiert die Menge erheblich. Um therapeutisch relevante Mengen Urolithin A aus Granatapfelsaft zu beziehen, müsste man unrealistisch grosse Mengen trinken. Supplementierung mit direktem Urolithin A umgeht das Produzenten-Problem und garantiert gleichbleibende Dosierungen.

Was zeigen die Humanstudien?

Die klinische Evidenz für Urolithin A ist bemerkenswert robust - besonders für ein relativ neues Supplement. Eine Meilenstein-Studie von 2022, veröffentlicht in Cell Reports Medicine, untersuchte 88 Erwachsene mittleren Alters (40-64 Jahre) über vier Monate. Die Gruppe, die 1.000 mg Urolithin A (als Mitopure) erhielt, zeigte eine 12%ige Verbesserung der Muskelkraft im Vergleich zur Placebogruppe.

Eine weitere Studie an älteren Erwachsenen (65-90 Jahre) von der University of Washington zeigte signifikante Verbesserungen bei Biomarkern der mitochondrialen Gesundheit. Acylcarnitine und Ceramide - beides Marker für mitochondriale Dysfunktion - sanken in der Urolithin-A-Gruppe deutlich.

Gelenkgesundheit und Arthrose

Eine 2022 in Aging Cell veröffentlichte Studie des Scripps Research Institute lieferte vielversprechende Daten für die Gelenkgesundheit. In Knorpelzellen von gesunden Spendern und Arthrose-Patienten verbesserte Urolithin A die Mitophagie signifikant und steigerte die Mitochondrien-Atmung. Im Tiermodell verhinderte achtwöchige Supplementierung das Fortschreiten der Osteoarthritis.

Dies ist besonders interessant, da Gelenkknorpel wenig durchblutet ist und stark auf lokale Mitochondrienfunktion angewiesen ist. Die Verbindung von Muskel- und Gelenkgesundheit macht Urolithin A zu einem interessanten Kandidaten für Menschen ab 40, die ihre Mobilität erhalten wollen.

Die kritische Perspektive:
Die meisten Humanstudien zu Urolithin A wurden von Amazentis finanziert, dem Hersteller von Mitopure. Obwohl die Studien in renommierten Journals veröffentlicht und peer-reviewed wurden, ist eine gewisse Vorsicht bei der Interpretation angebracht. Unabhängige Replikationen wären wünschenswert. Zudem ist Mitopure als Premium-Supplement relativ teuer.
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Dosierung und praktische Anwendung

Die meisten Studien verwendeten Dosierungen zwischen 250 mg und 1.000 mg täglich. In der Muskelkraft-Studie zeigte sich bei 1.000 mg der stärkste Effekt. Die Substanz ist gut verträglich - keine schwerwiegenden Nebenwirkungen wurden berichtet. Die FDA hat Urolithin A in Form von Mitopure den GRAS-Status (Generally Recognized As Safe) verliehen.

Im Gegensatz zu Senolytika, die intermittierend eingenommen werden, wird Urolithin A typischerweise kontinuierlich supplementiert. Die Einnahme kann unabhängig von Mahlzeiten erfolgen, obwohl manche Anwender eine bessere Verträglichkeit mit Essen berichten.

Urolithin A im Kontext anderer Longevity-Strategien

Urolithin A adressiert einen spezifischen Aspekt des Alterns - die mitochondriale Dysfunktion. Es ersetzt nicht andere Interventionen, sondern ergänzt sie. Zone-2-Training stimuliert ebenfalls die mitochondriale Biogenese und könnte synergistisch mit Urolithin A wirken. Kalorienrestriktion und intermittierendes Fasten aktivieren ebenfalls Autophagie-Prozesse.

Interessant ist die Verbindung zu Wärmestress-Interventionen wie Sauna, die ebenfalls zelluläre Stressantworten aktivieren. Ob Kombinationen additive oder synergistische Effekte haben, ist Gegenstand laufender Forschung.

Wichtige Einschränkung:
Urolithin A ist kein Ersatz für einen gesunden Lebensstil. Regelmässige Bewegung, ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung bleiben die Grundpfeiler der Langlebigkeit. Supplements sind Ergänzungen, keine Abkürzungen.

Für wen könnte Urolithin A interessant sein?

Basierend auf der aktuellen Studienlage könnten besonders folgende Gruppen von Urolithin A profitieren: Menschen ab 40 mit nachlassender Muskelkraft oder Ausdauer, Personen mit Gelenkbeschwerden oder beginnender Arthrose, ältere Erwachsene, die ihre Unabhängigkeit erhalten wollen, sowie Menschen, die zu den "Nicht-Produzenten" gehören und aus Granatapfel und Co. kein Urolithin A bilden können.

Fazit: Urolithin A ist eines der am besten erforschten Longevity-Supplements mit überzeugenden Daten zu Muskelkraft und mitochondrialer Gesundheit. Der Wirkmechanismus - Aktivierung der Mitophagie - ist wissenschaftlich plausibel und gut dokumentiert. Die Supplementierung ist besonders für Menschen sinnvoll, die Urolithin A nicht selbst produzieren können.

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Quellen

kathi dreimuth

Die Autorin
Kathi ist unsere sportliche Allrounderin mit einem besonderen Faible für gesunde Ernährung und Bewegung. Wenn sie nicht gerade neue Rezepte ausprobiert oder auf dem Volleyballplatz steht, ist sie mit ihrem Labrador in der Natur unterwegs.