Im Food Report 2020 prägte die österreichische Trendforscherin Hanni Rützler einen Begriff, der seitdem die Ernährungsbranche beschäftigt: Snackification. Gemeint ist der Wandel von traditionellen Mahlzeiten zu mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilt - ein Phänomen, das unsere Esskultur grundlegend verändert und das nun auch im Trendreport Ernährung 2025 unter den Top-Trends auftaucht.
- Snackification beschreibt den Wandel von drei festen Mahlzeiten zu flexiblen Mini-Mahlzeiten über den Tag
- Treiber sind mobile Arbeitswelt, flexible Arbeitszeiten und veränderter Tagesrhythmus
- Das klassische Frühstück und Mittagessen werden zunehmend durch Snacks ersetzt
- Das Abendessen bleibt als soziale Mahlzeit bestehen
- Verbraucher erwarten frische, sättigende, gesunde und nachhaltige Snack-Optionen
- Handel und Gastronomie passen ihr Angebot entsprechend an
Was bedeutet Snackification?
Snackification ist mehr als nur ein neuer Begriff für zwischendurch Essen. Es beschreibt einen fundamentalen Wandel in unserer Esskultur: Die strikte Dreiteilung des Tages in Frühstück, Mittag- und Abendessen löst sich auf. An ihre Stelle treten flexible, kleinere Mahlzeiten, die sich dem Lebensrhythmus anpassen - nicht umgekehrt.
| Traditionelle Esskultur | Snackification |
|---|---|
| 3 feste Mahlzeiten pro Tag | 5-7 kleine Mahlzeiten flexibel |
| Feste Essenszeiten | Essen nach Bedarf und Situation |
| Gemeinsame Familienmahlzeiten | Soziales Essen vor allem abends |
| Kochen als tägliche Routine | Mix aus Selbstgemacht und Convenience |
Warum dieser Wandel?
Die Treiber der Snackification liegen im veränderten Alltag. Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und mobiles Arbeiten haben den klassischen Büroalltag mit festem Mittagsbreak aufgelöst. Rützler spricht vom "New Job Normal" - einer Arbeitswelt, die keine festen Essenszeiten mehr vorgibt.
Hinzu kommt eine neue Einstellung zum Essen: Statt drei großer Mahlzeiten bevorzugen viele Menschen kleinere Portionen, die sie flexibler, experimentierfreudiger und mit weniger Zeitaufwand zu sich nehmen können. Der Snack von heute ist nicht mehr der Schokoriegel von gestern, sondern oft eine vollwertige Mini-Mahlzeit.
Das Abendessen bleibt von der Snackification weitgehend verschont. Es hat sich als soziale Mahlzeit etabliert - der Moment, an dem Familie oder Freunde zusammenkommen. Die Snackification betrifft vor allem Frühstück und Mittagessen.
Gesundheitliche Perspektive
Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist Snackification nicht per se gut oder schlecht. Entscheidend ist, was gesnackt wird. Wer statt drei ausgewogener Mahlzeiten den ganzen Tag Schokoriegel und Chips isst, wird kaum profitieren. Wer jedoch zu frischen, nährstoffreichen Mini-Mahlzeiten greift, kann sogar Vorteile haben.
Kleinere, häufigere Mahlzeiten können den Blutzucker stabiler halten und Energietiefs vermeiden. Allerdings fehlt bei Snacks oft die bewusste Nahrungsaufnahme - man isst nebenbei, am Schreibtisch, unterwegs. Das kann zu übermäßigem Essen führen, weil das Sättigungsgefühl nicht richtig wahrgenommen wird.
Wie Handel und Gastronomie reagieren
Supermärkte erweitern ihre Snack-Bereiche mit frischen, gesunden Optionen: Hummus mit Gemüsesticks, Proteinriegel, Salate to go, Mini-Wraps. Die Handelsgastronomie wächst - immer mehr Menschen kaufen verzehrfertige Mahlzeiten direkt im Supermarkt. Auch Restaurants reagieren: Statt klassischer Menüstruktur bieten viele jetzt flexible Portionsgrößen und kombinierbare Gerichte an.
Snackification klingt nach Freiheit und Flexibilität, birgt aber auch Risiken. Die gemeinsame Mahlzeit hat nicht nur soziale Funktion, sondern strukturiert auch den Tag und fördert achtsames Essen. Wer den ganzen Tag "nebenbei" isst, verliert leicht den Überblick über die tatsächliche Nahrungsaufnahme. Zudem sind viele "gesunde" Fertig-Snacks bei genauem Hinsehen stark verarbeitet und enthalten versteckten Zucker oder Salz. Snackification sollte also nicht als Freibrief für unreflektiertes Essen missverstanden werden.
Fazit: Snackification ist ein Megatrend, der unsere Esskultur nachhaltig verändert. Wer ihn bewusst gestaltet - mit frischen, nährstoffreichen Mini-Mahlzeiten und mindestens einer gemeinsamen Mahlzeit am Tag - kann von der Flexibilität profitieren, ohne die Nachteile in Kauf zu nehmen.