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ADHS bei Erwachsenen in Deutschland - aktuelle Zahlen und Studien

3. Dezember 2025

Lange Zeit galt ADHS als reine Kinderkrankheit. Heute wissen wir: Bei bis zu 60 Prozent der Betroffenen bleiben die Symptome auch im Erwachsenenalter bestehen. In Deutschland sind rund 4,7 Prozent der Erwachsenen betroffen - das entspricht etwa 3 Millionen Menschen. Trotzdem wird die Störung bei Erwachsenen oft übersehen oder falsch diagnostiziert. In diesem umfassenden Ratgeber erfährst du alles über aktuelle Zahlen, wissenschaftliche Studien und was ADHS im Erwachsenenalter wirklich bedeutet.

Was ist ADHS bei Erwachsenen?

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung und gehört zu den häufigsten neuropsychiatrischen Störungen. Während die Diagnose bei Kindern mittlerweile gut etabliert ist, bleibt ADHS bei Erwachsenen oft unerkannt.

Die Störung zeigt sich durch drei Kernsymptome: anhaltende Unaufmerksamkeit, erhöhte Impulsivität und in manchen Fällen körperliche Hyperaktivität. Bei Erwachsenen äußert sich ADHS jedoch anders als bei Kindern. Die motorische Unruhe weicht häufig einer inneren Rastlosigkeit. Du kennst das vielleicht: Gedanken rasen, Konzentration fällt schwer, und Aufgaben zu Ende zu bringen fühlt sich an wie ein Kampf.

Nach dem Diagnose-System DSM-5 müssen für eine ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter mindestens fünf Symptome aus dem Bereich Unaufmerksamkeit oder Hyperaktivität-Impulsivität über mindestens sechs Monate bestehen. Diese Symptome müssen bereits vor dem zwölften Lebensjahr aufgetreten sein und in mehreren Lebensbereichen zu deutlichen Beeinträchtigungen führen.

Aktuelle Zahlen zu ADHS bei Erwachsenen in Deutschland

Wie viele Erwachsene sind betroffen?

Die Datenlage aus Deutschland zeigt ein klares Bild: ADHS bei Erwachsenen ist weitaus häufiger als lange angenommen. Eine repräsentative Studie belegt, dass etwa 4,7 Prozent der erwachsenen Deutschen von ADHS betroffen sind. Nach konservativeren Schätzungen auf Basis der DSM-5-Kriterien liegt die Prävalenz bei 2,5 Prozent.

Besonders aufschlussreich sind die Zahlen aus der Routinedatenanalyse der AOK, die im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurden. Zwischen 2009 und 2014 stieg die Häufigkeit diagnostizierter ADHS-Fälle bei Erwachsenen im Alter von 18 bis 69 Jahren von 0,2 Prozent auf 0,4 Prozent - also um das Doppelte. Diese Zunahme ist nicht nur auf eine tatsächliche Häufung zurückzuführen, sondern auch auf eine verbesserte Diagnostik und steigende Aufmerksamkeit für die Störung im Erwachsenenalter.

Geschlechtsunterschiede verschwinden im Erwachsenenalter

Ein interessanter Befund der aktuellen Forschung: Während im Kindesalter etwa viermal mehr Jungen als Mädchen diagnostiziert werden, sind diese geschlechtsspezifischen Unterschiede bei Erwachsenen deutlich geringer oder sogar ausgeglichen. Das liegt vermutlich daran, dass ADHS bei Mädchen und Frauen häufiger mit dem unaufmerksamen Typ einhergeht, der weniger auffällig ist und erst später erkannt wird.

Persistenz: ADHS verschwindet nicht einfach

Früher dachten Ärzte, ADHS würde sich "auswachsen". Die Realität sieht anders aus: Studien zeigen, dass bei 40 bis 60 Prozent der betroffenen Kinder die Symptome bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Zwar erfüllen nur 5 bis 15 Prozent noch alle Diagnosekriterien vollständig, doch bei etwa 70 Prozent treten einzelne Symptome und funktionelle Beeinträchtigungen weiterhin auf.

Wichtig zu wissen: Die diagnostizierte Häufigkeit liegt deutlich unter der tatsächlichen Prävalenz. Viele Erwachsene mit ADHS bleiben unerkannt, was auf einen erheblichen Versorgungsbedarf hinweist.

Die INTEGRATE-ADHD-Studie des Robert Koch-Instituts

Eine der aktuellsten und umfassendsten Untersuchungen zu ADHS in Deutschland ist die INTEGRATE-ADHD-Studie, die vom Robert Koch-Institut in Zusammenarbeit mit mehreren Universitätskliniken durchgeführt wurde. Die Studie lief von 2021 bis 2024 und wurde vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert.

Die Forschenden kombinierten dabei verschiedene Datenquellen: administrative Diagnosen von Krankenkassen, Befragungen von Eltern betroffener Kinder und Jugendlicher sowie klinische Untersuchungen. Ziel war es, ein genaues Bild der ADHS-Versorgung in Deutschland zu zeichnen und Verbesserungspotenziale zu identifizieren.

Die Ergebnisse wurden 2024 im Journal of Health Monitoring veröffentlicht. Sie bestätigen, dass ADHS mit einer bevölkerungsbezogenen Prävalenz von etwa 5 Prozent eine der häufigsten psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen darstellt - und dass die Versorgung im Übergang ins Erwachsenenalter Lücken aufweist.

Symptome von ADHS bei Erwachsenen

ADHS zeigt sich bei Erwachsenen oft subtiler als bei Kindern. Die Symptome haben sich im Laufe des Lebens verändert und angepasst. Statt offensichtlicher Hyperaktivität erleben viele Betroffene eine innere Unruhe, die von außen kaum sichtbar ist.

Unaufmerksamkeit im Alltag

Konzentrationsschwierigkeiten sind das zentrale Problem. Du fängst Aufgaben an und vergisst sie wieder. Wichtige Details entgehen dir, obwohl du dich bemühst. Termine werden verpasst, Rechnungen vergessen. Bei längeren Gesprächen schweifst du gedanklich ab. Das hat nichts mit mangelndem Interesse zu tun - dein Gehirn lässt sich einfach leichter ablenken.

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Typische Anzeichen sind auch Schwierigkeiten bei der Organisation des Alltags. Chaos am Arbeitsplatz, ständiges Suchen nach Schlüsseln oder Dokumenten und das Gefühl, von Aufgaben überfordert zu sein, gehören zum Alltag vieler Betroffener.

Impulsivität und emotionale Dysregulation

Impulsives Handeln zeigt sich unterschiedlich: vorschnelle Entscheidungen treffen, andere im Gespräch unterbrechen, ungeduldig werden, wenn etwas länger dauert. Manche Betroffene neigen zu impulsiven Käufen oder wechseln häufig den Job, weil sie sich schnell langweilen.

Besonders belastend ist die emotionale Dysregulation. Gefühle kommen intensiver und gehen tiefer. Stimmungsschwankungen können mehrmals täglich auftreten. Frustrationstoleranz ist niedrig - kleine Rückschläge fühlen sich wie große Katastrophen an.

Innere Unruhe statt Zappeligkeit

Die motorische Hyperaktivität der Kindheit wandelt sich. Als Erwachsener kannst du vielleicht stillsitzen, fühlst dich aber innerlich getrieben. Es fällt schwer zu entspannen. Gedanken kreisen ständig. Viele Betroffene berichten von einem Gefühl, als würde ein Motor permanent laufen.

Erkennung im Alltag: Achte darauf, ob dir mehrere dieser Situationen bekannt vorkommen: Du hast zehn Browser-Tabs offen und springst zwischen ihnen hin und her. Projekte bleiben unvollendet. Bei Routineaufgaben machst du Flüchtigkeitsfehler. Zeit einzuschätzen fällt dir schwer. Diese Muster könnten auf ADHS hinweisen.

Diagnose bei Erwachsenen - so läuft sie ab

Die Diagnose von ADHS im Erwachsenenalter erfordert eine sorgfältige Untersuchung durch Fachleute. Die S3-Leitlinie "ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen" der AWMF gibt klare Empfehlungen für das diagnostische Vorgehen.

Wer stellt die Diagnose?

Zuständig sind Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie oder psychosomatische Medizin sowie qualifizierte Psychotherapeuten. Auch Hausärzte können erste Anlaufstelle sein und die weitere Diagnostik koordinieren. Falls du keine entsprechende Fachpraxis findest, wende dich an deine Hausarztpraxis.

Der diagnostische Prozess

Eine ADHS-Diagnose bei Erwachsenen umfasst mehrere Schritte. Zunächst wird die aktuelle Symptomatik erfasst. Dazu kommen standardisierte Fragebögen zum Einsatz, etwa die ADHS-Selbstbeurteilungsskala oder für Erwachsene ohne Kinderdiagnose die Wender-Utah-Rating-Scale.

Entscheidend ist der Nachweis, dass die Symptome bereits in der Kindheit bestanden. Deine Ärzte werden dich nach deiner Schulzeit, Verhaltensauffälligkeiten und Problemen in der Kindheit fragen. Manchmal helfen Gespräche mit Eltern oder das Einholen alter Zeugnisse.

Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung. Andere Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden: Schilddrüsenstörungen, Schlafstörungen oder das Restless-Legs-Syndrom können ähnliche Symptome verursachen. Eine Blutuntersuchung und ein EKG gehören zur Basisdiagnostik dazu.

Differenzialdiagnostik ist zentral

Besonders wichtig ist die Abgrenzung zu anderen psychischen Störungen. Symptome wie Konzentrationsschwierigkeiten und innere Unruhe treten auch bei Depressionen, Angststörungen oder bipolaren Störungen auf. Erfahrene Diagnostiker achten auf den Beginn der Symptomatik in der Kindheit als zentrales Unterscheidungsmerkmal.

Diagnostik-Schritt Methode Zweck
Erstgespräch Anamnese und Symptomerfassung Erfassung aktueller Beschwerden und Lebensgeschichte
Fragebögen ADHS-Selbstbeurteilungsskala, Wender-Utah-Rating-Scale Standardisierte Erhebung der Symptomatik
Kindheit-Anamnese Gespräche, alte Zeugnisse, Elternberichte Nachweis früher Symptome (vor dem 12. Lebensjahr)
Körperliche Untersuchung Blutbild, Schilddrüsenwerte, EKG Ausschluss organischer Ursachen
Differenzialdiagnostik Psychologische Tests, klinische Gespräche Abgrenzung zu Depression, Angst, Autismus

Begleiterkrankungen - das Problem der Komorbidität

Eine reine ADHS ohne zusätzliche Erkrankung ist die Ausnahme. Zwischen 50 und 87 Prozent der Betroffenen leiden an mindestens einer Begleiterkrankung. Bei Erwachsenen sind sogar etwa 80 Prozent betroffen. Diese hohe Komorbidität macht die Diagnose kompliziert und die Behandlung anspruchsvoll.

Depression - die häufigste Begleiterkrankung

Depressive Störungen treten bei bis zu jedem zweiten erwachsenen ADHS-Patienten auf. Das entspricht einer etwa fünfmal höheren Rate als in der Allgemeinbevölkerung. Die Ursachen sind vielfältig: Jahrelange negative Erfahrungen, Misserfolge in Schule und Beruf, soziale Zurückweisungen und ein geschwächtes Selbstwertgefühl schaffen den Nährboden für depressive Episoden.

Die Herausforderung: Symptome überlappen sich. Konzentrationsschwierigkeiten, Antriebsmangel und Ruhelosigkeit können sowohl zu ADHS als auch zur Depression gehören. Deshalb wird ADHS bei Erwachsenen mit Depression häufig übersehen. Die Ärzte behandeln die Depression, doch die darunterliegende ADHS bleibt unerkannt - und damit auch unbehandelt.

Angststörungen als ständiger Begleiter

Zwischen 25 und 50 Prozent der Erwachsenen mit ADHS entwickeln Angststörungen. Das Risiko ist damit etwa viermal höher als bei Menschen ohne ADHS. Betroffen sind vor allem Frauen, bei denen Angststörungen die häufigste Komorbidität darstellen.

Zu den häufigen Formen gehören generalisierte Angststörungen mit ständigen Sorgen, soziale Phobien aus Angst vor Ablehnung und Panikstörungen. Auch Zwangsstörungen treten gehäuft auf. Viele Betroffene entwickeln aus dem ADHS-bedingten Chaos heraus zwanghafte Ordnungsrituale als Kompensationsversuch.

Wenn Komorbidität übersehen wird

  • Behandlung bleibt unvollständig und frustrierend
  • Symptome verstärken sich gegenseitig
  • Höherer Leidensdruck über Jahre
  • Risiko für weitere Erkrankungen steigt

Suchterkrankungen bei ADHS

Menschen mit ADHS haben ein zwei- bis dreimal höheres Risiko für Suchterkrankungen. In Suchtkliniken liegt der Anteil unerkannter ADHS-Fälle bei 30 bis 50 Prozent - ein alarmierend hoher Wert.

Die Gründe sind komplex. Manche Substanzen wirken auf ADHS-Betroffene paradox beruhigend statt stimulierend. Nikotin etwa hat eine ähnliche Wirkung wie Methylphenidat. Betroffene ohne Diagnose nutzen unbewusst Substanzen zur Selbstmedikation. Die innere Unruhe wird gedämpft, Konzentration verbessert sich kurzfristig. Der Preis ist hoch: Abhängigkeit entwickelt sich schneller.

Behandlungsmöglichkeiten nach aktueller Leitlinie

Die S3-Leitlinie "ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen" gibt evidenzbasierte Empfehlungen für die Behandlung. Grundsätzlich gilt: Die Therapie sollte multimodal sein, also verschiedene Ansätze kombinieren.

Psychoedukation als Basis

Jede ADHS-Behandlung beginnt mit umfassender Psychoedukation. Du erfährst, was ADHS ist, wie es entsteht und wie es sich auf dein Leben auswirkt. Gemeinsam mit deinen Behandlern entwickelst du ein individuelles Störungskonzept. Dieses Verständnis ist die Grundlage für alle weiteren Schritte.

Psychoedukation hilft dir auch, ADHS nicht als persönliches Versagen zu sehen, sondern als neurobiologische Besonderheit zu verstehen. Viele Betroffene berichten, dass allein dieses Wissen eine enorme Entlastung darstellt.

Medikamentöse Therapie

Für Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer ADHS empfiehlt die Leitlinie eine medikamentöse Behandlung. Als Erstlinien-Therapie gelten Stimulanzien, vor allem Methylphenidat. Die Wirksamkeit ist gut belegt: Etwa 60 Prozent der Patienten sprechen auf eine leitliniengerechte Medikation an.

Zugelassene Medikamente für Erwachsene in Deutschland sind Methylphenidat-Präparate mit verzögerter Wirkungsfreisetzung wie Medikinet adult oder Ritalin adult. Seit 2019 ist auch Lisdexamfetamin (Elvanse Adult) zur Erstbehandlung zugelassen. Als Alternative bei Unverträglichkeit oder unzureichender Wirkung steht Atomoxetin zur Verfügung.

Die Wirkung tritt meist innerhalb von 30 bis 45 Minuten ein. Viele Betroffene beschreiben eine deutliche Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit und inneren Ruhe. Nebenwirkungen können Appetitminderung, Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Mundtrockenheit sein. Regelmäßige Verlaufskontrollen mit Blutdruckmessung und EKG sind wichtig.

Psychotherapie und Verhaltenstherapie

Kognitive Verhaltenstherapie ist die am besten untersuchte psychotherapeutische Methode bei ADHS. Der Fokus liegt auf der Entwicklung praktischer Strategien für den Alltag: Zeitmanagement verbessern, Impulskontrolle trainieren, emotionale Regulation stärken.

Die COMPAS-Studie, unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, zeigte: Die Kombination von Medikamenten und Psychotherapie erzielt bessere Ergebnisse als reine Psychotherapie allein. Dennoch profitieren auch Menschen, die keine Medikamente nehmen möchten oder können, von therapeutischer Unterstützung.

Selbsthilfe und Coaching

Selbsthilfegruppen bieten wertvolle Unterstützung. Der Austausch mit anderen Betroffenen hilft, sich weniger allein zu fühlen. Du erfährst praktische Alltagstipps und entwickelst gemeinsam Bewältigungsstrategien. ADHS Deutschland e.V. vermittelt deutschlandweit Kontakte zu Selbsthilfegruppen.

ADHS-Coaching ist eine weitere Möglichkeit. Spezialisierte Coaches helfen dir, Strukturen in deinen Alltag zu bringen, ohne dabei formale Psychotherapie zu betreiben. Der Ansatz ist lösungsorientiert und praxisnah.

Multimodale Therapie: Die besten Ergebnisse erzielst du durch Kombination verschiedener Ansätze. Medikation kann die neurologische Basis stabilisieren, Psychotherapie hilft beim Aufbau neuer Verhaltensweisen, und Selbsthilfe stärkt deine Ressourcen im Alltag.

Leben mit ADHS - Auswirkungen im Alltag

ADHS wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus. Unbehandelt kann die Störung ernsthafte Folgen haben: höheres Unfallrisiko, erhöhte Mortalität, häufigere Arbeitsplatzwechsel, finanzielle Schwierigkeiten und instabile Beziehungen.

Beruf und Karriere

Im Berufsleben stehen ADHS-Betroffene vor besonderen Herausforderungen. Projekte abzuschließen fällt schwer. Routineaufgaben wirken unerträglich langweilig. Zeitmanagement ist eine Dauerbaustelle. Viele Betroffene wechseln häufig den Job oder brechen Ausbildungen ab.

Gleichzeitig bringt ADHS auch Stärken mit sich. Hyperfokus - die Fähigkeit, sich bei interessanten Aufgaben extrem intensiv zu konzentrieren - kann ein großer Vorteil sein. Kreativität, Out-of-the-Box-Denken und Begeisterungsfähigkeit sind weitere Potenziale.

Beziehungen und Partnerschaft

ADHS belastet Partnerschaften. Vergesslichkeit, emotionale Achterbahnfahrten und impulsive Reaktionen führen zu Konflikten. Partner von ADHS-Betroffenen fühlen sich manchmal übergangen oder nicht ernst genommen. Auf der anderen Seite kann die Lebendigkeit und Spontaneität von ADHS-Menschen Beziehungen auch bereichern.

Wichtig ist offene Kommunikation. Wenn beide Partner verstehen, was ADHS bedeutet und wie es sich auswirkt, lassen sich viele Konflikte entschärfen. Paartherapie mit ADHS-Schwerpunkt kann wertvolle Unterstützung bieten.

Körperliche Gesundheit

Menschen mit ADHS haben ein doppelt so hohes Risiko für Bluthochdruck und ein dreifach erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes. Die Ursachen sind vielfältig: unregelmäßige Medikamenteneinnahme, ungesunde Lebensführung durch mangelnde Impulskontrolle und chronischer Stress durch ständige Überforderung.

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Das Unfallrisiko ist signifikant erhöht, besonders im Straßenverkehr. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 5 Prozent der jährlichen Verkehrstoten Erwachsene mit ADHS sind.

Unterstützung und Anlaufstellen

In Deutschland gibt es verschiedene Anlaufstellen für Betroffene und Angehörige. Das Bundesgesundheitsministerium stellt auf seiner Website umfassende Informationen zu ADHS bereit. Die Website adhs.info bietet evidenzbasierte Informationen für Erwachsene, Eltern und Fachpersonal.

Das zentrale adhs-netz ist ein bundesweites Netzwerk zur Verbesserung der Versorgung und stellt Fachinformationen sowie Kontakte zu regionalen Versorgungsmöglichkeiten bereit. Für den Austausch mit anderen Betroffenen bietet ADHS Deutschland e.V. Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland an.

Häufig gestellte Fragen zu ADHS bei Erwachsenen

Wie viele Erwachsene in Deutschland haben ADHS?

Etwa 4,7 Prozent der erwachsenen Deutschen sind von ADHS betroffen, nach konservativeren Schätzungen mindestens 2,5 Prozent. Das entspricht zwischen 1,6 und 3 Millionen Menschen. Die diagnostizierte Häufigkeit liegt jedoch deutlich niedriger, was auf viele unerkannte Fälle hinweist.

Kann ADHS erst im Erwachsenenalter auftreten?

Nein, ADHS beginnt immer im Kindesalter, spätestens vor dem zwölften Lebensjahr. Für eine Diagnose im Erwachsenenalter muss nachgewiesen werden, dass die Symptome bereits in der Kindheit bestanden. Manche Betroffene fallen erst als Erwachsene auf, wenn die Anforderungen steigen und bisherige Kompensationsstrategien nicht mehr ausreichen.

Welche Medikamente sind für Erwachsene mit ADHS zugelassen?

In Deutschland sind für Erwachsene Methylphenidat-Präparate mit verzögerter Wirkungsfreisetzung (Medikinet adult, Ritalin adult), Lisdexamfetamin (Elvanse Adult) und Atomoxetin zugelassen. Methylphenidat gilt als Erstlinien-Therapie mit gut belegter Wirksamkeit.

Verschwindet ADHS im Erwachsenenalter?

Bei 40 bis 60 Prozent der betroffenen Kinder bleiben die ADHS-Symptome auch im Erwachsenenalter bestehen. Zwar erfüllen nur 5 bis 15 Prozent noch alle Diagnosekriterien vollständig, doch etwa 70 Prozent erleben weiterhin einzelne Symptome und funktionelle Beeinträchtigungen. Die Vorstellung, ADHS würde sich "auswachsen", ist überholt.

Wie hoch ist das Risiko für Begleiterkrankungen bei ADHS?

Zwischen 50 und 87 Prozent der ADHS-Betroffenen leiden an mindestens einer Begleiterkrankung. Bei Erwachsenen liegt die Rate sogar bei etwa 80 Prozent. Die häufigsten Komorbiditäten sind Depressionen (bis zu 50 Prozent), Angststörungen (25 bis 50 Prozent) und Suchterkrankungen (etwa 15 Prozent).

Wo finde ich Hilfe bei Verdacht auf ADHS?

Erste Anlaufstelle ist deine Hausarztpraxis, die dich an Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie oder psychosomatische Medizin überweisen kann. Auch spezialisierte Ambulanzen und ADHS-Sprechstunden bieten Diagnostik an. ADHS Deutschland e.V. vermittelt Kontakte zu Experten und Selbsthilfegruppen.

Was kostet die ADHS-Behandlung und übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für Diagnostik und Behandlung von ADHS bei Erwachsenen, wenn diese medizinisch notwendig ist. Das umfasst fachärztliche Gespräche, Diagnostik, verordnete Medikamente und psychotherapeutische Behandlungen. Lediglich die gesetzliche Zuzahlung bei Medikamenten und Psychotherapie fällt an.

Fazit: ADHS bei Erwachsenen braucht mehr Aufmerksamkeit

Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich: ADHS bei Erwachsenen ist keine Randerscheinung, sondern betrifft Millionen Menschen in Deutschland. Trotz steigender Diagnosezahlen liegt die tatsächliche Versorgung noch weit unter dem Bedarf. Viele Betroffene bleiben unerkannt oder werden fehldiagnostiziert.

Die gute Nachricht: Die Forschung hat große Fortschritte gemacht. Moderne Diagnostikverfahren, evidenzbasierte Behandlungen und die aktuelle S3-Leitlinie bieten eine solide Grundlage für eine erfolgreiche Therapie. Studien wie INTEGRATE-ADHD des Robert Koch-Instituts liefern wichtige Erkenntnisse zur Verbesserung der Versorgung.

Wenn du den Verdacht hast, dass du von ADHS betroffen sein könntest, zögere nicht, professionelle Hilfe zu suchen. Eine Diagnose kann der erste Schritt zu mehr Lebensqualität sein. Mit der richtigen Behandlung - ob mit Medikamenten, Psychotherapie oder beidem - lassen sich die Symptome deutlich verbessern. ADHS ist behandelbar, und ein erfülltes Leben trotz oder sogar mit ADHS ist möglich.

Nächste Schritte: Vereinbare einen Termin bei deiner Hausarztpraxis oder direkt bei einem Facharzt für Psychiatrie. Bereite das Gespräch vor, indem du deine Symptome und deren Auswirkungen auf deinen Alltag notierst. Informiere dich über Selbsthilfegruppen in deiner Nähe. Und denke daran: ADHS ist kein persönliches Versagen, sondern eine neurobiologische Besonderheit, die verstanden und behandelt werden kann.
kathi dreimuth

Die Autorin
Kathi ist unsere sportliche Allrounderin mit einem besonderen Faible für gesunde Ernährung und Bewegung. Wenn sie nicht gerade neue Rezepte ausprobiert oder auf dem Volleyballplatz steht, ist sie mit ihrem Labrador in der Natur unterwegs.