Als die britische Organisation Alcohol Change UK im Januar 2013 erstmals zum "Dry January" aufrief, ahnten die Initiatoren nicht, dass sie damit eine globale Bewegung anstoßen würden. Was als einmonatige Alkoholpause begann, hat sich zu einem dauerhaften Lifestyle-Trend entwickelt - der NoLo-Bewegung (No and Low Alcohol), die besonders bei der Generation Z und Millennials Anklang findet.
- Der Dry January startete 2013 in Großbritannien und ist heute eine globale Bewegung
- Etwa 20% der Deutschen geben an, keinen Alkohol zu trinken - Tendenz steigend
- Die Generation Z trinkt deutlich weniger als frühere Generationen im gleichen Alter
- Der Markt für alkoholfreie Getränke wächst zweistellig pro Jahr
- Schon ein Monat ohne Alkohol zeigt messbare Verbesserungen bei Schlaf, Leber und Blutwerten
- Die sozialen Stigmata des Nicht-Trinkens nehmen ab
Was der Dry January bewirkt
Die University of Sussex begleitete Dry January-Teilnehmer wissenschaftlich und dokumentierte beeindruckende Ergebnisse nach nur einem Monat: 93% fühlten sich stolz auf ihre Leistung, 88% sparten Geld, 82% dachten bewusster über ihren Alkoholkonsum nach, 71% schliefen besser, 70% hatten generell bessere Gesundheit und 67% hatten mehr Energie.
Auch Monate nach dem Januar tranken die Teilnehmer im Schnitt weniger als zuvor. Der Dry January wirkt als Reset-Knopf für die Trinkgewohnheiten.
| Zeitraum | Körperliche Veränderungen |
|---|---|
| Nach 1 Woche | Besserer Schlaf, mehr Energie am Morgen |
| Nach 2 Wochen | Verbesserte Verdauung, klarere Haut |
| Nach 3 Wochen | Leberwerte beginnen sich zu normalisieren |
| Nach 4 Wochen | Blutdruck sinkt, Immunsystem gestärkt, Gewichtsverlust |
Die NoLo-Bewegung wächst
Was früher als Verzicht galt, wird heute als bewusste Lifestyle-Entscheidung gefeiert. Der Markt für alkoholfreie Biere, Weine und Spirituosen boomt. Die Qualität hat sich dramatisch verbessert - alkoholfreie Craft-Biere und komplexe Botanical-Drinks haben nichts mehr mit dem wässrigen alkoholfreien Bier von früher zu tun.
Bars und Restaurants reagieren mit ausgefeilten Mocktail-Karten. Nüchtern ausgehen ist gesellschaftlich akzeptiert wie nie zuvor. Influencer und Promis sprechen offen über ihren Verzicht - ohne dabei als Spaßbremsen zu gelten.
Die Generation Z (geboren ab 1997) trinkt deutlich weniger Alkohol als frühere Generationen im gleichen Alter. Während bei den Baby Boomern Alkohol zum Erwachsenwerden dazugehörte, sehen junge Menschen heute Alkohol kritischer - auch wegen der gesundheitlichen Risiken und der Sorge um das eigene Image in sozialen Medien.
Gesundheitliche Vorteile des Verzichts
Alkohol ist ein Zellgift - das ist medizinisch unstrittig. Bereits moderate Mengen erhöhen das Risiko für Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Leberprobleme. Die Idee des "gesunden Glases Rotwein" wurde durch neuere Forschung widerlegt: Der vermeintliche Schutzeffekt beruhte auf methodischen Fehlern in älteren Studien.
Alkohol beeinträchtigt auch den Schlaf erheblich. Zwar mag man nach Alkohol schneller einschlafen, aber die Schlafqualität leidet: Die REM-Phasen werden unterdrückt, man wacht häufiger auf und fühlt sich am nächsten Morgen weniger erholt. Alkoholverzicht führt oft zu überraschend deutlichen Verbesserungen der Schlafqualität.
Soziale Aspekte des Nicht-Trinkens
Lange war Nicht-Trinken erklärungsbedürftig. "Ich trinke nicht" führte zu Nachfragen, manchmal zu Druck. Das ändert sich. Die NoLo-Bewegung normalisiert den Verzicht. Wer alkoholfrei trinkt, macht heute eine Lifestyle-Aussage, keine Entschuldigung.
Tipps für gesellschaftliche Situationen: Bestelle bewusst einen Mocktail oder ein alkoholfreies Craft-Bier statt "nur Wasser". Das signalisiert: Du hast dich entschieden, nicht verzichtet. Erkläre dich nicht, wenn du nicht willst - "Ich trinke heute nicht" ist eine vollständige Antwort.
Für Menschen mit Alkoholabhängigkeit ist der Dry January nicht geeignet - ein kalter Entzug ohne ärztliche Begleitung kann gefährlich sein. Bei Verdacht auf Abhängigkeit sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
Der NoLo-Trend hat auch eine Schattenseite: Manche alkoholfreien Produkte enthalten überraschend viel Zucker, um den fehlenden Alkoholgeschmack auszugleichen. Alkoholfreies Bier kann bis zu 25 Kalorien pro 100ml haben, Mocktails mit Sirup deutlich mehr. Wer aus gesundheitlichen Gründen verzichtet, sollte auch hier auf die Nährwerte achten. Zudem ist "alkoholfrei" nicht immer komplett frei - bis 0,5% Alkohol darf als alkoholfrei deklariert werden.
Fazit: Der alkoholfreie Lifestyle ist von der Nische zum Mainstream geworden. Ob als einmonatiger Reset im Januar oder als dauerhafte Entscheidung - weniger oder kein Alkohol bringt messbare gesundheitliche Vorteile und ist gesellschaftlich akzeptierter denn je. Die Zeit der Rechtfertigungen ist vorbei.