Dein Online-Magazin für ein besseres & vitaleres Leben.

Wie dein Stresslevel mit deinem Schlaf zusammenhängt

17. Juli 2025

  • Stress und Schlafmangel bilden einen Teufelskreis: Stresshormone wie Cortisol halten dich wach, und der resultierende Schlafmangel erhöht deine Stressanfälligkeit.
  • Die Hauptursache für stressbedingte Schlafprobleme ist eine körperliche und mentale Übererregung (Hyperarousal), die das Einschlafen und Durchschlafen verhindert.
  • Langfristig kann diese Kombination das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und psychische Probleme wie Depressionen und Angststörungen erhöhen.
  • Aktive Stressbewältigung durch Entspannungstechniken, eine optimierte Schlafhygiene und gezielte Anpassungen bei Ernährung und Bewegung sind die wirksamsten Strategien, um den Kreislauf zu durchbrechen.

Der Teufelskreis: Wie Stress und Schlaf sich gegenseitig beeinflussen

Kennst du das Gefühl? Nach einem anstrengenden Tag liegst du im Bett, bist eigentlich todmüde, aber dein Kopfkino lässt dich nicht zur Ruhe kommen. Die Gedanken kreisen um ungelöste Probleme, die To-do-Liste für morgen oder ein unangenehmes Gespräch. Dieser Zustand ist kein Zufall, sondern das Resultat einer tiefen biologischen Verknüpfung zwischen deinem Stresslevel und deiner Fähigkeit zu schlafen. Stress und Schlaf stehen in einer wechselseitigen Beziehung, die oft zu einem negativen Kreislauf führt: Hoher Stress erschwert das Ein- und Durchschlafen. Der daraus resultierende Schlafmangel wiederum macht dich am nächsten Tag anfälliger für Stress. Deine Reizschwelle sinkt, du bist schneller gereizt, unkonzentrierter und emotional weniger belastbar. Kleinere Herausforderungen fühlen sich plötzlich wie unüberwindbare Berge an.

Diese Dynamik kann schnell zur Gewohnheit werden. Dein Körper lernt gewissermaßen, dass das Zubettgehen mit Anspannung und Sorgen verbunden ist. Anstatt ein Ort der Erholung zu sein, wird das Schlafzimmer zum Schauplatz nächtlicher Kämpfe. Das Verständnis dieses Teufelskreises ist der erste und wichtigste Schritt, um ihn zu durchbrechen. Es geht nicht nur darum, „besser zu schlafen“, sondern darum, die Wurzel des Problems zu erkennen: die untrennbare Verbindung zwischen deinem Tageserleben und deiner Nachtruhe. Nur wenn du an beiden Enden ansetzt - beim Stressmanagement am Tag und bei der Schlafhygiene in der Nacht - kannst du die Spirale nachhaltig umkehren und wieder zu erholsamem Schlaf finden.

Die Wissenschaft hinter schlaflosen Nächten: Was Stress in deinem Körper bewirkt

Wenn du gestresst bist und nicht schlafen kannst, findet in deinem Körper eine komplexe biochemische Reaktion statt. Diese ist tief in unserer evolutionären Vergangenheit verwurzelt und sollte uns eigentlich schützen. In der modernen Welt führt sie jedoch oft zu schlaflosen Nächten. Das zentrale Problem ist eine andauernde physiologische und psychologische Erregung, auch Hyperarousal genannt. Dein Körper und Geist bleiben im „Alarmmodus“, obwohl du eigentlich zur Ruhe kommen solltest. Zwei Hauptakteure sind dafür verantwortlich: die Stresshormone und die mentale Überaktivität.

Die Rolle von Cortisol und Adrenalin

Bei Stress schüttet dein Körper vermehrt die Hormone Cortisol und Adrenalin aus. Diese bereiten dich auf eine „Kampf-oder-Flucht-Reaktion“ (fight or flight) vor. Sie erhöhen deinen Herzschlag, deinen Blutdruck und deine Atemfrequenz und stellen Energie bereit. Das ist tagsüber in einer herausfordernden Situation nützlich. Nachts wird es jedoch zum Problem. Der Cortisolspiegel folgt normalerweise einem natürlichen Rhythmus: Morgens ist er am höchsten, um uns wach und aktiv zu machen, und über den Tag sinkt er ab, sodass er zur Schlafenszeit auf einem sehr niedrigen Niveau ist. Chronischer Stress durchbricht diesen Rhythmus. Der Cortisolspiegel bleibt auch abends erhöht, was deinem Körper signalisiert: „Bleib wach, es droht Gefahr!“ Das Einschlafen wird dadurch massiv erschwert oder sogar unmöglich gemacht.

Mentale Hyperarousal: Wenn die Gedanken nicht zur Ruhe kommen

Neben der körperlichen Anspannung ist die mentale Übererregung eine der größten Hürden für den Schlaf. Stress führt oft zu unkontrollierbarem Grübeln (Rumination). Du wiederholst im Kopf vergangene Ereignisse oder spielst zukünftige Szenarien durch. Dieses Gedankenkarussell hält dein Gehirn in einem aktiven, problemlösenden Modus. Für das Gehirn ist es unmöglich, gleichzeitig zu grübeln und in den Schlaf zu gleiten, da beides völlig unterschiedliche neuronale Zustände erfordert. Schlaf ist ein Zustand des Loslassens und der mentalen Entspannung. Das ständige Analysieren und Sorgen hält das Gehirn jedoch in einem Zustand der Wachsamkeit und verhindert genau dieses Loslassen. Dein Verstand ist quasi zu „laut“, um die leisen Signale der Müdigkeit wahrzunehmen und den Übergang in den Schlaf zuzulassen.

Chronischer Stress: Die langfristigen Folgen für deine Schlafqualität und Gesundheit

Eine einzelne stressige Nacht ist unangenehm, aber meist unbedenklich. Hält der Zustand jedoch über Wochen und Monate an, sprechen wir von chronischem Stress und chronischen Schlafstörungen. Diese Kombination ist mehr als nur ein Ärgernis - sie stellt eine ernsthafte Bedrohung für deine körperliche und psychische Gesundheit dar. Der Körper befindet sich in einem permanenten Ausnahmezustand, der seine Ressourcen erschöpft und wichtige Regenerationsprozesse stört. Der Schlaf ist die Zeit, in der sich unser Körper repariert, das Immunsystem stärkt und das Gehirn „aufräumt“. Wenn diese Phase dauerhaft gestört ist, bleiben die Folgen nicht aus.

Siehe auch  Chronische Müdigkeit vs. normale Erschöpfung im Alltag

Von Schlafstörungen zu ernsten Erkrankungen

Die ständige Ausschüttung von Stresshormonen und der Mangel an erholsamem Schlaf können weitreichende körperliche Konsequenzen haben. Das Immunsystem wird geschwächt, was dich anfälliger für Infekte macht. Der Blutdruck bleibt erhöht, was das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall steigert. Auch der Stoffwechsel leidet: Chronischer Schlafmangel kann die Insulinresistenz fördern und so das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen. Zudem wird die Regulation der Appetithormone Ghrelin und Leptin gestört, was oft zu Heißhunger auf ungesunde Lebensmittel und einer Gewichtszunahme führt. Dein Körper hat schlichtweg keine Chance, sich ausreichend zu erholen und seine Systeme im Gleichgewicht zu halten.

Psychische Belastung: Der Zusammenhang mit Depressionen und Angststörungen

Die Verbindung zwischen chronischem Stress, Schlafmangel und der psychischen Gesundheit ist besonders eng. Schlafmangel beeinträchtigt die Funktion der Amygdala, des Angstzentrums im Gehirn, und des präfrontalen Kortex, der für die emotionale Regulation zuständig ist. Dadurch reagierst du emotional empfindlicher und kannst negative Gefühle schlechter kontrollieren. Langfristig erhöht dieser Zustand das Risiko, eine Angststörung oder eine Depression zu entwickeln, erheblich. Oftmals ist die Schlafstörung sogar eines der ersten Symptome einer sich anbahnenden psychischen Erkrankung. Es ist ein Teufelskreis: Die Sorgen rauben dir den Schlaf, und der Schlafmangel verstärkt die Sorgen und die depressive Stimmung. Diese psychische Belastung isoliert dich zusätzlich und macht es noch schwerer, aus der Negativspirale auszubrechen.

Erkenne die Warnsignale: Bist du gestresst oder einfach nur müde?

Müdigkeit ist ein normales Gefühl. Doch wenn sie zum Dauerzustand wird und von weiteren Symptomen begleitet ist, könnte mehr dahinterstecken. Es ist entscheidend, die spezifischen Warnsignale zu erkennen, die auf eine stressbedingte Schlafstörung hindeuten. Oftmals nehmen wir die einzelnen Anzeichen isoliert wahr - die Gereiztheit am Nachmittag, die Einschlafprobleme am Abend, die Kopfschmerzen am Morgen. Erst wenn wir das Gesamtbild betrachten, wird der Zusammenhang zwischen unserem Stresslevel und der schlechten Schlafqualität deutlich. Eine ehrliche Selbstbeobachtung ist der erste Schritt zur Besserung. Frag dich nicht nur, ob du müde bist, sondern wie sich deine Müdigkeit anfühlt und was sie begleitet.

Typische Symptome von stressbedingten Schlafproblemen

Stressbedingte Schlafstörungen haben ein charakteristisches Muster, das über normale Müdigkeit hinausgeht. Achte auf folgende Anzeichen in der Nacht:

  • Einschlafschwierigkeiten: Du liegst länger als 30 Minuten wach, obwohl du dich müde fühlst. Deine Gedanken rasen und du kannst nicht abschalten.
  • Nächtliches Erwachen: Du wachst mitten in der Nacht auf, oft zwischen 2 und 4 Uhr, und kannst nur schwer wieder einschlafen. Häufig sind es Sorgen oder plötzlich aufkommende Gedanken, die dich wecken.
  • Frühes Erwachen: Du wachst deutlich vor deinem Wecker auf und fühlst dich nicht erholt, kannst aber nicht mehr einschlafen.
  • Nicht erholsamer Schlaf: Du hast zwar die empfohlene Stundenzahl geschlafen, fühlst dich am Morgen aber trotzdem wie gerädert, erschöpft und unkonzentriert.
  • Unruhiger Schlaf: Du wälzt dich viel hin und her, hast lebhafte, oft stressige Träume oder Albträume.

Körperliche und emotionale Anzeichen von Überlastung

Die Auswirkungen von Stress und Schlafmangel zeigen sich nicht nur nachts, sondern belasten dich auch massiv während des Tages. Diese Symptome sind oft die direkten Folgen der nächtlichen Unruhe und der permanenten Anspannung:

  • Tagsüber: Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme.
  • Emotional: Erhöhte Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Gefühle von Überforderung, Angst oder Hoffnungslosigkeit.
  • Körperlich: Anhaltende Muskelverspannungen (besonders im Nacken- und Schulterbereich), Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme oder ein geschwächtes Immunsystem mit häufigen Infekten.

Der Weg aus der Spirale: Stressmanagement-Techniken für besseren Schlaf

Um den Teufelskreis aus Stress und Schlafmangel zu durchbrechen, musst du aktiv werden. Es reicht nicht, auf bessere Zeiten zu hoffen. Gezielte Stressmanagement-Techniken helfen dir dabei, sowohl die körperliche als auch die mentale Anspannung abzubauen, die dich wach hält. Das Ziel ist es, deinem Körper und Geist das Signal zu geben: „Der Tag ist vorbei, die Gefahr ist gebannt, du darfst jetzt zur Ruhe kommen.“ Integriere diese Übungen bewusst in deinen Abend, um den Übergang vom aktiven Tagesmodus in den erholsamen Nachtmodus zu erleichtern. Finde heraus, welche Methode für dich am besten funktioniert. Regelmäßigkeit ist dabei der Schlüssel zum Erfolg.

Entspannungstechniken vor dem Zubettgehen

Körperliche Entspannung ist eine direkte Antwort auf die physiologische Stressreaktion. Wenn du deine Muskeln entspannst, sinken Herzfrequenz und Blutdruck. Eine bewährte Methode ist die Progressive Muskelentspannung (PMR) nach Jacobson. Dabei spannst du nacheinander einzelne Muskelgruppen für einige Sekunden fest an und lässt sie dann bewusst locker. Dies hilft dir, den Unterschied zwischen An- und Entspannung wahrzunehmen und tief sitzende Verspannungen zu lösen. Eine weitere wirksame Technik ist die tiefe Bauchatmung. Lege eine Hand auf deinen Bauch und atme langsam und tief durch die Nase ein, sodass sich die Bauchdecke hebt. Halte kurz inne und atme dann langsam durch den Mund wieder aus. Konzentriere dich nur auf deinen Atem. Fünf bis zehn Minuten dieser Übungen können dein Nervensystem bereits deutlich beruhigen.

Siehe auch  Mouth Taping: Warum Experten vor dem TikTok-Schlaftrend warnen

Kognitive Strategien: Den Kopf frei bekommen

Das Gedankenkarussell ist oft der hartnäckigste Feind des Schlafs. Hier helfen kognitive Techniken, die Sorgen zu ordnen und loszulassen. Eine sehr effektive Methode ist das Führen eines Sorgen-Tagebuchs. Nimm dir etwa eine Stunde vor dem Zubettgehen 15 Minuten Zeit, um alles aufzuschreiben, was dich beschäftigt: Ängste, Aufgaben, ungelöste Probleme. Indem du sie zu Papier bringst, verlagerst du sie aus deinem Kopf. Schließe das Buch danach bewusst mit dem Gedanken: „Darum kümmere ich mich morgen.“ Eine andere Strategie ist die „Sorgenstunde“: Plane dir tagsüber eine feste Zeit ein, in der du aktiv über deine Probleme nachdenkst und nach Lösungen suchst. Außerhalb dieser Zeit versuchst du, die Gedanken bewusst beiseitezuschieben. So verhinderst du, dass sie dich ausgerechnet im Bett überfallen.

Schlafhygiene optimieren: Dein Fundament für erholsame Nächte

Gute Schlafhygiene ist die Summe aller Gewohnheiten und Verhaltensweisen, die einen gesunden Schlaf fördern. Sie ist das stabile Fundament, auf dem alle anderen Maßnahmen zur Stressbewältigung aufbauen. Auch die besten Entspannungsübungen können ihre Wirkung nicht voll entfalten, wenn deine Schlafumgebung und deine abendlichen Routinen den Schlaf sabotieren. Es geht darum, deinem Gehirn durch klare Signale und eine feste Struktur zu vermitteln, dass es Zeit ist, sich auf die Nachtruhe vorzubereiten. Viele dieser Anpassungen sind einfach umzusetzen, erfordern aber Konsequenz. Betrachte sie nicht als starre Regeln, sondern als unterstützende Maßnahmen, die dir den Weg in den Schlaf ebnen.

Die ideale Schlafumgebung schaffen

Dein Schlafzimmer sollte eine Oase der Ruhe sein, die ausschließlich dem Schlafen und der Intimität dient. Vermeide es, im Bett zu arbeiten, zu essen oder fernzusehen. Die drei wichtigsten Faktoren für eine schlaffördernde Umgebung sind Dunkelheit, Ruhe und Kühle. Sorge für eine vollständige Abdunkelung mit Vorhängen oder Jalousien, da Licht die Produktion des Schlafhormons Melatonin hemmt. Eliminiere Lärmquellen durch Ohrstöpsel oder ein leises, monotones Geräusch (weißes Rauschen). Die optimale Schlaftemperatur liegt für die meisten Menschen zwischen 16 und 19 Grad Celsius. Besonders wichtig: Verbannen Sie alle elektronischen Geräte mit Bildschirmen aus dem Schlafzimmer. Das blaue Licht von Smartphones, Tablets und Fernsehern unterdrückt die Melatoninausschüttung besonders stark und hält dein Gehirn aktiv.

Rituale und Routinen: Dein Gehirn auf Schlaf programmieren

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Feste Routinen signalisieren deinem Körper, was als Nächstes kommt. Ein gleichbleibender Schlaf-Wach-Rhythmus - auch am Wochenende - ist der stärkste Anker für deine innere Uhr. Gehe jeden Abend zur gleichen Zeit ins Bett und stehe morgens zur gleichen Zeit auf. Etabliere zudem ein beruhigendes Abendritual, das 30 bis 60 Minuten dauert. Dies hilft dir, vom Stress des Tages abzuschalten. Was du in dieser Zeit tust, sollte entspannend sein und dir guttun.

Schlaffördernde Abendaktivitäten Schlafstörende Abendaktivitäten
Ein warmes Bad nehmen (senkt danach die Körperkerntemperatur) Aufwühlende Filme schauen oder Nachrichten lesen
Ein Buch lesen (kein E-Reader mit Hintergrundbeleuchtung) Intensive Diskussionen oder Streitgespräche führen
Ruhige Musik oder ein Hörbuch hören Am Smartphone oder Computer arbeiten oder surfen
Sanftes Dehnen oder Yoga Große, schwere Mahlzeiten essen
Eine Tasse Kräutertee trinken (z.B. Melisse, Baldrian) Alkohol oder koffeinhaltige Getränke konsumieren

Die Rolle von Ernährung und Bewegung: Verbündete gegen Stress und für guten Schlaf

Was du isst und wie du dich bewegst, hat einen direkten Einfluss auf dein Stresslevel und deine Schlafqualität. Ernährung und körperliche Aktivität sind mächtige Werkzeuge, die du gezielt einsetzen kannst, um deinen Körper widerstandsfähiger gegen Stress zu machen und die biochemischen Voraussetzungen für erholsamen Schlaf zu schaffen. Es geht nicht um radikale Diäten oder exzessiven Sport, sondern um kluge und bewusste Entscheidungen im Alltag. Eine ausgewogene Ernährung versorgt dein Nervensystem mit wichtigen Bausteinen, während regelmäßige Bewegung als effektives Ventil für aufgestaute Anspannung dient. Beides zusammen hilft, die Stresshormone zu regulieren und die innere Uhr zu stabilisieren.

Was du essen solltest - und was nicht

Bestimmte Nährstoffe können die Produktion von schlaffördernden Botenstoffen wie Serotonin und Melatonin unterstützen. Dazu gehören die Aminosäure Tryptophan (enthalten in z.B. Kürbiskernen, Cashewnüssen, Bananen und Haferflocken) und Magnesium, das die Muskeln entspannt und das Nervensystem beruhigt (enthalten in Vollkornprodukten, Nüssen und grünem Blattgemüse). Eine leichte, kohlenhydratreiche Mahlzeit am Abend kann helfen, Tryptophan besser ins Gehirn zu transportieren. Vermeiden solltest du hingegen schwere, fettreiche Mahlzeiten, da die Verdauung den Körper belastet. Die größten Störenfriede sind jedoch Koffein und Alkohol. Koffein wirkt als Stimulans und kann noch bis zu sechs Stunden nach dem Konsum den Schlaf beeinträchtigen. Alkohol macht zwar anfangs müde, stört aber die zweite Nachthälfte erheblich, führt zu häufigerem Aufwachen und vermindert die wichtigen Tiefschlafphasen.

Siehe auch  Chronobiologische Supplementierung für Schlafqualität

Bewegung als Stressventil: Das richtige Timing ist entscheidend

Regelmäßige körperliche Aktivität ist eine der wirksamsten Methoden zum Stressabbau. Bewegung hilft, überschüssiges Cortisol und Adrenalin abzubauen, und setzt gleichzeitig Endorphine frei, die die Stimmung heben. Langfristig verbessert moderater Sport nachweislich die Schlafqualität und verlängert die Tiefschlafphasen. Das Timing ist jedoch wichtig. Idealerweise treibst du Sport am späten Nachmittag oder frühen Abend. Dein Körper hat dann genügend Zeit, wieder „herunterzufahren“. Intensives Training kurz vor dem Zubettgehen kann hingegen kontraproduktiv sein. Es erhöht die Körpertemperatur und die Herzfrequenz und schüttet anregende Hormone aus, was das Einschlafen erschwert. Eine sanfte Aktivität wie ein Abendspaziergang, leichtes Dehnen oder Yoga ist hingegen eine ausgezeichnete Ergänzung deines Abendrituals und kann den Übergang in die Nachtruhe fördern.

Wenn nichts mehr hilft: Wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist

Selbstmanagement-Techniken und eine gute Schlafhygiene sind oft sehr wirksam. Doch es gibt Situationen, in denen der Leidensdruck zu groß wird und die eigenen Bemühungen nicht ausreichen, um den Teufelskreis aus Stress und Schlaflosigkeit zu durchbrechen. Wenn deine Schlafprobleme länger als einen Monat andauern, mehrmals pro Woche auftreten und deine Tagesbefindlichkeit stark beeinträchtigen, ist es an der Zeit, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dies ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein verantwortungsvoller Schritt für deine Gesundheit. Ein Experte kann helfen, die genauen Ursachen zu diagnostizieren und eine auf dich zugeschnittene Behandlungsstrategie zu entwickeln. Manchmal liegen den Schlafstörungen auch andere medizinische oder psychische Erkrankungen zugrunde, die erkannt und behandelt werden müssen.

Ansprechpartner und Therapiemöglichkeiten

Der erste Ansprechpartner ist in der Regel dein Hausarzt. Er kann organische Ursachen für die Schlafstörungen ausschließen, wie beispielsweise eine Schilddrüsenfehlfunktion, das Restless-Legs-Syndrom oder eine Schlafapnoe. Gegebenenfalls wird er dich an einen Facharzt, etwa einen Neurologen, oder in ein Schlaflabor überweisen, um die Schlafarchitektur genau zu analysieren. Liegt die Ursache primär im Stress und den damit verbundenen Denkmustern, ist eine psychotherapeutische Behandlung sehr erfolgversprechend. Als Goldstandard bei der Behandlung von chronischer Insomnie gilt die Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I). Diese Therapieform hilft dir dabei, schlafstörende Gedanken und Verhaltensweisen zu erkennen und durch neue, schlaffördernde zu ersetzen. Sie vermittelt Techniken zur Stimuluskontrolle, zur Schlafrestriktion und kognitiven Umstrukturierung und hat sich als deutlich nachhaltiger erwiesen als die alleinige Einnahme von Schlafmitteln.

Die Kraft des Tageslichts: Wie der zirkadiane Rhythmus dein Stresslevel beeinflusst

Unser Körper funktioniert nach einer inneren Uhr, dem sogenannten zirkadianen Rhythmus. Dieser etwa 24-stündige Zyklus steuert unzählige biologische Prozesse, darunter unseren Schlaf-Wach-Rhythmus, die Hormonproduktion, die Körpertemperatur und eben auch unsere Stressreaktion. Der wichtigste Taktgeber für diese innere Uhr ist das Tageslicht. Ein stabiler und gut synchronisierter zirkadianer Rhythmus macht uns nicht nur tagsüber wacher und nachts müder, sondern auch widerstandsfähiger gegen Stress. Wenn dieser Rhythmus jedoch gestört ist, beispielsweise durch unregelmäßige Schlafenszeiten oder zu wenig Tageslicht, gerät das gesamte System aus dem Takt. Dies kann dazu führen, dass Stresshormone zur falschen Zeit ausgeschüttet werden und die Schlafqualität massiv leidet.

Morgens Licht, abends Dunkelheit

Das stärkste Signal für unsere innere Uhr ist helles Licht am Morgen. Wenn das Licht auf die Netzhaut unserer Augen trifft, wird dem Gehirn signalisiert: „Der Tag beginnt jetzt!“ Dies unterdrückt die Produktion des Schlafhormons Melatonin und kurbelt die Ausschüttung von Cortisol an, was uns wach, konzentriert und aktiv macht. Ein Spaziergang im Freien von 20 bis 30 Minuten kurz nach dem Aufstehen kann Wunder wirken, um die innere Uhr zu justieren. Genauso wichtig ist das Gegenteil am Abend: Dunkelheit und gedämpftes Licht. Etwa zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen solltest du helles Licht, insbesondere das blaue Licht von Bildschirmen, meiden. Dies erlaubt deinem Körper, die Melatoninproduktion hochzufahren und sich natürlich auf den Schlaf vorzubereiten. Die einfache Formel lautet: Morgens so viel Licht wie möglich, abends so wenig wie nötig.

Den inneren Taktgeber stärken

Ein stabiler zirkadianer Rhythmus ist einer deiner besten Verbündeten im Kampf gegen Stress. Wenn deine innere Uhr richtig tickt, ist dein Körper besser darauf vorbereitet, mit den Herausforderungen des Tages umzugehen. Die Cortisol-Kurve verläuft natürlicher, was die abendliche Entspannung erleichtert. Neben der Lichtexposition kannst du deine innere Uhr auch durch feste Zeitpunkte für Mahlzeiten und sportliche Aktivitäten stärken. Regelmäßigkeit ist hier der entscheidende Faktor. Indem du deinem Körper einen vorhersehbaren Tagesablauf bietest, reduzierst du das Gefühl von Chaos und Überforderung. Du unterstützt aktiv die biologischen Prozesse, die dir helfen, tagsüber leistungsfähig und abends entspannt zu sein - die beste Voraussetzung, um dem Teufelskreis aus Stress und schlechtem Schlaf endgültig zu entkommen.

kathi dreimuth

Die Autorin
Kathi ist unsere sportliche Allrounderin mit einem besonderen Faible für gesunde Ernährung und Bewegung. Wenn sie nicht gerade neue Rezepte ausprobiert oder auf dem Volleyballplatz steht, ist sie mit ihrem Labrador in der Natur unterwegs.